"Aufbruch ins Unbekannte" - ein Reisebuch von Davia Franz

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Mexiko: Im Reich der Inkas, Mayas und Atzteken

„Gesegnet von gebirgigem Hochland, Vulkanen, Traumstränden und den zahlreichen Stätten der Maya, Inka und Azteken, die vom Reichtum und der Schönheit vergangener Zeiten erzählen, entdecken wir einen neuen Kontinent, Lateinamerika.“

„Heute unternehmen wir einen Sonntagsausflug nach Chamula, etwa zehn Kilometer von San Cristobal entfernt. Es ist das Zentrum der selbstbewussten Chamulanen, sicherlich die eindrucksvollste Siedlung der Indios in der Umgebung. Die Menschen tragen noch ihre althergebrachten Trachten. Die Kleidung der Frauen besteht aus einem schwarzen Wolltuch, der als Rock gewickelt ist und mit einem breiten Tuch gehalten wird. Sie tragen bestickte blaue oder weiße Blusen. Männer tragen Hemden und darüber ein ärmelloses Gewand. Dem neuen Glauben des Christentums haben sich die Bewohner nicht unterworfen, sondern geschickt ihre alte Götterwelt mit dem Christentum verschmolzen.
Jedes Dorf hat seinen Schutzheiligen, Chamula, den heiligen Johannes. Bevor wir die Kirche San Juan betreten, müssen wir uns beim zuständigen Tourismusbüro anmelden. Fotografieren in der Kirche ist strengstens verboten! Wie sehr die Glaubensvorstellung der Chamulanen von denen der traditionellen katholischen Kirche abweicht, wird sofort beim Betreten der Kirche deutlich. Wir treten in ein leeres Kirchenschiff. Sämtliches Inventar wurde beiseite gestellt. Weihrauchschwaden durchbrechen das spärliche Kerzenlicht, der Boden ausgelegt mit Kräutern und auf dem Boden kauernde Indios, lassen den Raum in eine mystische Welt verwandeln. Der harzige Duft der Kiefernadeln, gemischt mit dem des verbrannten Wachses, verstärkt den Reiz des unerklärbar Unwiderstehlichen. Man fühlt sich den Göttern der Maya näher als den Heiligen der römisch katholischen Kirche.
Leider spielt die Rolle des Alkohols bei der Geisterbeschwörung eine immer größere Rolle. Auf dem Platz vor der Kirche berauschen sich die Familien mit Posh, einem lokalen Branntwein. Folge der Exzesse ist die Verarmung der Familien.“

"Der richtige Start für einen Ausflug nach Monte Alban, dem geheimnisvollen Ort in luftiger Höhe. Um 9.30 Uhr fährt der Bus am Zocalo ab.

„ Man stelle sich einen hohen, abgelegenen Berg am Schnittpunkt dreier Täler vor, eine Insel, die sich fast 2.000 m über dem fruchtbaren Meer an seinem Fuße erhebt. Eine erschreckende Vision. Aber die Zapoteken fürchteten sich nicht vor der artistischen Aufgabe, die vor ihnen lag. Sie begradigten den Gipfel, legten zwei riesige, rechteckige Höfe an, errichten in der Mitte Pyramidentempel oder Altäre mit anderen, noch viel größeren Pyramiden an jedem Ende, bauten Stufen, die sich mit glatten Teilen Mauerwerk abwechselten, um die Höfe mit Mauern zu umgeben, legten monumentale Treppenaufgänge an den Seiten der Pyramiden an und verzierten die Grundmauern mit in Stein gehauenen Fresken. Selbst heute, wo die Höfe mit Unkraut bewachsen sind und die Pyramiden unter dunklen Lagen von Torf begraben sind, selbst heute noch ist diese Zapotekenstadt in luftiger Höhe außergewöhnlich beeindruckend. Monte Alban ist das Werk von Menschen, die die Architekturkunst bis in das Feinste beherrschten“. Aldous Huxley, Beyond the Mexique Bay

Wie viele Millionen Körbe voll Erde und Steine mochten die Menschen wohl abgetragen haben, um diese
600 x 250 Meter große Plattform auf dem Berg zu begradigen. Nur auf dem Rücken der Menschen, denn zu dieser Zeit gab es weder Rad noch kannte man die Hilfe von Lasttieren. Was heute noch zu sehen ist, ist das Zentrum der Stadt, das politische und religiöse Herz. Um die Götter positiv zu stimmen brauchten die Fürsten eine besondere Kultstätte. So entstand 500 v. Chr. dieses Zeremonialzentrum und später größter Warenumschlagplatz Mittelamerikas. Als die Spanier 2.000 Jahre später nach Oaxaca eindrangen, diente Monte Alban nur noch als Begräbnisstätte. Zur Blütezeit lebten hier mehr als 25.000 Menschen. Ein beachtlich großer gesellschaftlicher „Wasserkopf“ trug wahrscheinlich dazu bei, dass die Sozialstruktur der Zapoteken aus dem Gleichgewicht geriet. Seit der Zeit vor ca.55 Jahren als Aldous Huxley Monte Alban besuchte ist natürlich einiges verändert worden. Stufenanlagen, wuchtige Säulen, Tempel und Paläste wurden teilweise freigelegt. Im Grab Nr.7 fand man einen ungeheuer wertvollen Schatz, der im Regionalmuseum in Oaxaca aufbewahrt wird.
Interessant ist die Anlage des rituellen tödlichen Ballspieles. Die Olmeken, Zapoteken, Mixteken, Maya, Azteken, Tolteken und viele andere Völker Mesoamerikas praktizierten das rituelle Ballspiel aus mehreren Gründen: Zu Ehren ihrer Götter und Herrscher, um religiöse Entscheidungen zu treffen, zur Unterhaltung der Herrscher und der Bevölkerung oder auch um die Entscheidung einen Krieg herbeizuführen. Der Himmel oder Kosmos wurde durch den steinernen Ring (durch dessen mittlere, kleine Öffnung die Spieler den Ball hindurch bringen mussten) symbolisiert. Jede Stadt besaß mindestens einen, oft mehrere gemauerte Ballspielplätze. Der Ball, der die Sonnenscheibe, und damit das Leben symbolisierte, bestand entweder aus Kautschuk oder aus einem mit Leder bezogenen Totenschädel. Die Spieler waren in der frühen Zeit meist Würdenträger, hochgestellte Persönlichkeiten, Fürsten oder Priester in der Tracht der Götter. Gefangene folgten erst zu einer viel späteren Zeit. Der Ball durfte nur mit Ellbogen, Hüfte und Gesäß geprellt werden. Bei der Berührung anderer Körperteile gab es Strafpunkte. Gute Spieler schafften es, diesen Ball sogar eine ganze Stunde lang im Spiel zu halten, ohne dass er dabei den Boden berührte. Eine unglaubliche Vorstellung und Leistung, wenn man bedenkt, dass einige Spieler bereits während des Spieles verstarben: Sei es durch die Ermattung, wenn die Spieler ohne Pause dem Ball hinterher jagten, oder aber wenn der Ball sie mit voller Wucht an den ungeschützten Körperteilen traf. Ein wahrhaft „mörderisches" Spiel in den Augen der Betrachter. Umso größer war die Freude, wenn es jemandem gelang, den Ball durch das kleine Loch im Steinring zu werfen. Der Spieler wurde von allen in den Arm genommen und geehrt. Man sang Loblieder auf ihn. Die besonders guten Spieler wurden von den Herrschern wie tapfere Krieger belohnt. Ungeklärt ist jedoch, ob das Spiel wirklich immer mit dem Opfertod endet, die Geschichtsschreiber streiten sich noch heute darüber.“


Galerie Mexiko

Cabana

Cabana

Flug ueber Grönland

Flug über Grönland

Kinder in Chamula

Kinder von Chamula

Kirche in Chamula

Kirche in Chamula

Markt in Zaachila

Markt in Zaachila

Ruinen von Palenque

Ruinen von Palenque

San Cristobal

San Cristobal

Sumidero Cannon

Sumidero Canon